Hochsensibilität Archive - Várzea Milagrosa https://varzeamilagrosa.com/category/hochsensibilitaet/ Thu, 01 Dec 2022 23:46:24 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.7.2 https://varzeamilagrosa.com/wp-content/uploads/2022/11/cropped-vm-favicon-1-32x32.png Hochsensibilität Archive - Várzea Milagrosa https://varzeamilagrosa.com/category/hochsensibilitaet/ 32 32 Schimmel und Getreide – ziemlich beste Freunde https://varzeamilagrosa.com/schimmel-und-getreide-ziemlich-beste-freunde/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=schimmel-und-getreide-ziemlich-beste-freunde https://varzeamilagrosa.com/schimmel-und-getreide-ziemlich-beste-freunde/#comments Thu, 30 Apr 2020 22:13:07 +0000 https://ernaehrung-heilen.de/?p=2707 Schimmel und Getreide – ziemlich beste Freunde Wo es Getreide gibt, gibt es auch Schimmel. Bereits auf dem Acker werden die Pflanzen von Fusarien und Alternarien befallen. Die moderne Landwirtschaft verschlimmert das Problem noch. Getreide ist deshalb schon bei der Ernte schimmelbefallen. Beim Lagern und Verarbeiten gesellen sich weitere Schimmel hinzu. Eine Schimmelgiftbelastung (Mykotoxinbelastung) ist […]

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Schimmel und Getreide – ziemlich beste Freunde

Wo es Getreide gibt, gibt es auch Schimmel. Bereits auf dem Acker werden die Pflanzen von Fusarien und Alternarien befallen. Die moderne Landwirtschaft verschlimmert das Problem noch. Getreide ist deshalb schon bei der Ernte schimmelbefallen. Beim Lagern und Verarbeiten gesellen sich weitere Schimmel hinzu. Eine Schimmelgiftbelastung (Mykotoxinbelastung) ist deshalb unvermeidbar bei getreidehaltigen Kostformen. Verschiedene Erkrankungen wie Histaminintoleranz, Reizdarm und Glutensensitivität zeigen eine direkte Verbindung zur Mykotoxinbelastung. Eine Zusammenstellung wesentlicher Erkenntnisse.

Schimmel und Getreide – ein Paar, so alt wie der Ackerbau

Schon im pharaonischen Ägypten gab es große Probleme mit der Getreideernährung. Allzu oft folgten den sieben fetten Jahren magere Jahre. Deshalb wurde auch verschimmeltes Getreide gegessen mit teils drastischen Folgen. So sehen Forscher in der 10. Plage Ägyptens (alle Erstgeborenen starben) heute eine Massenvergiftung durch schimmelbelasteten Weizen. Weil Erstgeborenen traditionell die größten Weizenmengen zugestanden wurden, waren sie besonders stark betroffen. Die Kinder dürften dabei an und mit Kwashiorkor gestoben sein. Zwar gilt die Erkrankungsursache als nicht geklärt, doch ist der Zusammenhang mit Schimmelgiften (Mykotoxinen) offenkundig.

Auch in anderen Regionen begleiten seltsame Erkrankungen die getreideessenden Kulturen seit jeher. In Europa grassierte das Antoniusfeuer (Ergotismus) durch Mutterkornpilze in Roggen und Weizen. Asien litt unter Beriberi durch Reispilze, Südeuropa unter Pellagra durch Maisbrandpilze. In Europa sind echte Mykotoxikosen selten geworden. Doch sind diese Erkrankungen umgeben von einem Gespinst von Verbindungen in alle Richtungen. Wir sind üblicherweise deutlich geringeren Giftmengen ausgesetzt. Dadurch sind die Wirkungen noch weit schwerer zuzuordnen.

Warum ist Schimmel im Getreide?

Moderne Landwirtschaft – verpilzte Äcker

Wie grundsätzlich das Problem tatsächlich ist, sollen folgende Überlegungen zeigen.

Fusarien und Alternarien sind Bodenpilze, die dem Getreide folgen. Sie geben vom Boden aus ihre Sporen während der Getreideblüte ab. So werden bereits die Keimanlagen der Getreidekörner infiziert. Der Schimmelpilz wächst auf dem Getreidekorn. Bei der folgenden Aussaat wird der Pilz dann mitausgesät. Fungizide und Saatgutbeizen sollen dies verhindern; sichtlich mit geringem Erfolg. Vor allem die im Boden befindlichen Fusarien werden nicht erreicht.

Bodenbakterien und Kleinstlebewesen würden die Bodenpilze durchaus begrenzen. Doch die Herbizide schädigen dieses Bodenleben massiv. Wenn das Mikrobiom des Ackers entgleist, durchsetzen Pilze den Boden. Die Dynamik hat große Ähnlichkeit mit dem Geschehen im Darm. Durch eine mehrjährige Fruchtfolge würde sich der Pilz im Boden ebenfalls wieder reduzieren. Doch baut ein Getreidebauer heute kaum noch etwas anderes an als eben Getreide. Seine postmodernen »Agro-Panzer« wollen schließlich bezahlt werden. So folgen Weizen und Gerste auf Mais und dann wieder Getreide. So breiten sich die Pilze im Boden aus und die Getreidepflanzen nehmen bereits aus dem Ackerboden Mykotoxine auf.

Moderne Hybridsorten sind deutlich niedriger als alte Landsorten. Dies verspricht mehr Standfestigkeit. Je näher die Ähren jedoch dem Boden kommen, um so mehr sind sie den Sporenwolken der Bodenpilze ausgesetzt. Diese Hybridsorten bilden zudem keine Pollenwolken mehr, die die Sporen teilweise abfangen würden.

Mykotoxine – gut verwaltet

Wie eingangs erzählt, wird das Getreide bereits auf dem Feld von »Feldpilzen« befallen. Die Getreidepflanzen nehmen schon auf dem Feld Mykotoxine auf und lagern diese ein. Zudem bildet sich auf den  Getreidekörnern ein Schimmelrasen. Beim geernteten Getreide ist dieser Pilzbefall kaum erkennbar. Bei leichterem Befall sehen Getreidekörner völlig normal aus. Nur bei starkem Befall entstehen Schmachtkörner oder Brandkörner. Zwar wird in den Mühlen dieser sogenannte »Schwarzbesatz« reduziert – reduziert, nicht eliminiert. Doch sind ja auch die scheinbar gesunden Körner belastet. So landet schließlich doch eine Menge Schimmelgift in Mehl und Brot. Auch im Brot ist der Schimmel unsichtbar. Zumindest bis das Brot nach wenigen Tagen schimmelt ohne erkennbaren Grund.

Zwar gibt es prinzipiell eine Mykotoxin-Höchstmengenverordnung. Diese Verordnung erfasst jedoch nur zwei handvoll Schimmelgifte, wovon die meisten jedoch im Getreide vorkommen. Man ist sich also auch in den Gremien des Problems an sich bewusst. Aber man bleibt industriegerecht zurückhaltend. Die Verordnung erfasst auch keine maskierten Mykotoxine. Dabei sind diese verzuckerten Mykotoxine vermutlich die Verbindung zu Reizdarm und Glutensensitivität. Die Mykotoxin-Höchstmengenverordnung schützt uns letztlich nicht.

Für Futtergetreide gibt es ohnehin nur Richtwerte. Deshalb ist die Schimmelbelastung im Tierfutter so hoch, dass Züchter inzwischen Mykotoxinbinder beimischen müssen.

Neben den Pilzgiften (Mykotoxine) bilden Schimmel auch biogene Amine wie Tyramin und Histamin. Mehr dazu finden Sie in meinem Beitrag Tyraminintoleranz sowie im Beitrag Schimmel im Essen – zwischen Edel und Ekel.

Sonderstellung Dinkel?

Schon Hildegard von Bingen empfiehlt den Dinkel als bestes Getreide. Viele Darmempfindliche stimmen ihr zu. Dabei ist Dinkel doch hoch glutenhaltig und außerdem eine Weizenart.
Auch die glutenfreien Getreide Hirse, Reis, Hafer gelten als geeignet bei Darmproblemen.
Hingegen überzeugt der glutenfreie Mais im Praxistest nicht so recht. Die Bekömmlichkeit ist Schwankungen unterworfen. Und ein Blick nach Mexiko lässt ohnehin Böses ahnen. Die Bevölkerung dort ist Weltmeister in Adipositas und Diabetes. Doch warum ist das so?

Als erste Lösung fällt Gluten ins Blickfeld. Seit Jahren wird die Glutensensitivität für Reizdarm und diverse andere Krankheitsbilder diskutiert. Und tatsächlich geht es Betroffenen oft besser mit einer glutenfreien Kost. Besser ja, … aber nicht wirklich gut! Und auch in ernsthaften Untersuchungen sacken die luftig-glutenfreien Versprechungen immer wieder zusammen. Man findet keine ursächliche Verbindung.

FODMAPS

Deshalb sind weitere Lösungsversuche wie die FODMAP-Diät entstanden. Eine treue Gemeinde von Darmempfindlichen verweist auf Erfolge mit der FODMAPS-Diät. Das Konzept klingt schlüssig: nicht vom Dünndarm aufgenommene Zucker werden von Bakterien zersetzt und machen Gärungserscheinungen. Tatsächlich bessert sich das Bild, sobald man sich an die Empfehlungen hält. Doch gibt es auch hier allerlei Inkonsistenzen. Zunächst fällt auf, dass die zu meidenden Nahrungsmittel bereits in so geringen Mengen Beschwerden machen, dass dies mit einer Zuckervergärung nicht zu erklären ist. So reagiere ich selbst – auch Klienten – selbst auf Inulinzusätze in Medikamenten. Gasbildung spielt dabei keine Rolle. Die Beschwerden werden eher als krampfartig beschrieben.

Das fehlende Bindeglied sind maskierte Mykotoxine. Pflanzen entgiften Mykotoxine, indem sie sie in Zucker einbetten. Die entstehenden Glykoside kennen wir als FODMAPs. Bei der Verdauung im Dickdarm werden die Mykotoxine dann wieder freigesetzt. Mit Standard-Labortests werden diese verzuckerten Mykotoxine nicht erfasst. So greift auch die Höchstmengenverordnung nicht. (Franz Berthiller – Chapter 1: Introduction to masked mycotoxins

Was die Bekömmlichen eint

Was den Dinkel tatsächlich mit Hirse, Reis und Hafer eint, ist der Spelz. Die moderne Landwirtschaft setzt aus Kostengründen auf Getreide, bei denen sich Vor- und Deckspelz nicht über dem Korn schließen (Nacktgetreide). Bereits beim Dreschen fällt das Korn aus den Spelzen. Beim Spelzgetreide ist das Korn hingegen im Spelz quasi einzelverpackt. Es muss nachträglich entspelzt werden. Jedoch wird dabei auch der Schimmelaufwuchs mitentfernt. Die Mykotoxinbelastung ist dadurch erheblich geringer. Professor H.-M. Müller hat diesen Zusammenhang bereits 1991 dargelegt.

Beim Hafer gibt es inzwischen neben den Spelzformen auch Nackthafer. Und ja, Hafer gehört mit Mais zu den »Wackelkandidaten« in der Liste der Bekömmlichen. Mal werden sie vertragen, mal nicht. Allgemein wird das den Glutenkontaminationen angelastet. Doch auch mit »glutenfreiem Hafer« bessert sich das Bild nur bedingt.

Und wie ist das mit Buchweizen und Amaranth? Nun, Amaranth und Buchweizen sind gar keine Getreide. Zudem hat Buchweizen ebenfalls eine Hülle.

Wider den Schimmel

Schon lange haben Anthropoarchäologen berichtet, dass die Lebenserwartung beim Übergang einer Kultur auf den Getreideanbau jeweils massiv zurückgegangen ist. Im Laufe der Generationen haben die Menschen jedoch Strategien erprobt, um das Getreide bekömmlicher zu machen. Neben Feuer und Mühlstein spielten Hefen und Bakterien alsbald eine zentrale Rolle.

Ob im Sauerteig oder im Bier – Hefen und Bakterien bauen verschiedene Problemstoffe im Getreide ab, darunter auch Schimmelgifte. Bakterien sind auch hier die natürlichen Gegenspieler der Schimmelpilze. Aus diesen Beobachtungen entstand über Generationen die Kunst des Brotbackens. Dabei sind sich die Darmempfindlichen einig, dass eine lange Teigführung günstig wirkt. Ein Drei-Stufen-Sauerteig-Brot ist also einem Industriebrot entscheidend überlegen. Übrigens wurden früher auch Hefeteige mit langer Teigführung verarbeitet.

Hingegen bringt Kochen oder Backen keinen Vorteil, da Mykotoxine und biogene Amine weitgehend hitzefest sind.

Strategien für Darmsensible

Nun lassen sich Mykotoxine nicht ganz vermeiden, insbesondere nicht, wenn man Getreide in die Kost integriert. In aktuellen Internetbeiträgen wird empfohlen, Bentonit einzunehmen. Aus Studienergebnissen mit Tieren lässt sich ablesen, dass Bentonit nur Aflatoxine binden kann.

Hingegen gelten Produkte mit Glukomannan als breit wirksam. Glukomannan ist unter anderem in Aloe und Konjak enthalten. Auch Pektine und Pflanzenfasern binden Mykotoxine.

Eine ballaststoffreichere Kost bringt also auch hier eine Entlastung. Sowohl die Bindekapazität der Fasern und Quellstoffe nützt hierbei als auch die Entgiftung durch die Darmbakterien. Sogenannte Leberreinigungen und Darmsanierungen verfehlen den Zweck, da resorbierte Schimmelgifte teils über die Galle ausgeschieden werden, dies jedoch über einen längeren Zeitraum geschieht.
Bereits entstandene Schäden durch Mykotoxinbelastungen erfordern daher ein breiter aufgestelltes Konzept.

Seit Jahrzehnten wird über die Ursachen von Reizdarm, Prämenstruellem Syndrom und anderen Erkrankungen gerätselt. Dabei ist es nur naheliegend, die Wirkung von Schimmelgiften, Pilzallergenen und biogenen Aminen in die Konzepte miteinzubeziehen. Und natürlich auch auf die negativen Auswirkungen dieser Toxine auf das Darmmikrobiom (=Darmflora) zu achten.

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Beidhändigkeit und Hirnentwicklung https://varzeamilagrosa.com/beidhaendigkeit-und-hirnentwicklung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=beidhaendigkeit-und-hirnentwicklung https://varzeamilagrosa.com/beidhaendigkeit-und-hirnentwicklung/#comments Tue, 10 Mar 2020 14:17:45 +0000 https://ernaehrung-heilen.de/?p=2608 Beidhändigkeit und Hirnentwicklung Bereits vor längerem habe einen Beitrag über grundlegende Aspekte der Beidhändigkeit verfasst vor dem Hintergrund der Lehre von Frau Dr. Sattler: Beidhändigkeit und das neue Sattler’sche Gesetz … rechtshändig, linkshändig oder gestört? Beidhändigkeit geht nach meiner Wahrnehmung häufig mit einer Begabung bzw. Hochbegabung einher. Dieser Beitrag verbindet diese Gedanken deshalb mit Erkenntnissen […]

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Beidhändigkeit und Hirnentwicklung

Bereits vor längerem habe einen Beitrag über grundlegende Aspekte der Beidhändigkeit verfasst vor dem Hintergrund der Lehre von Frau Dr. Sattler: Beidhändigkeit und das neue Sattler’sche Gesetz … rechtshändig, linkshändig oder gestört? Beidhändigkeit geht nach meiner Wahrnehmung häufig mit einer Begabung bzw. Hochbegabung einher. Dieser Beitrag verbindet diese Gedanken deshalb mit Erkenntnissen aus der Begabungsforschung:

Beidhändigkeit geht offenbar einher mit einer verlangsamten Festigung der Händigkeit als Zeichen einer besonderen Hirnentwicklung.

Was gut werden soll, braucht seine Zeit!

Mir selbst wurde immer gesagt, dass ich ein »Spätentwickler« sei. Das hatte damals durchaus den negativen Beiklang der Unfähigkeit. – Liebe Eltern, seid beruhigt, das Gegenteil hat sich schließlich bewahrheitet. – Wiederbegegnet ist mir dies nun im Schriftwechsel mit der Mutter eines beidhändigen Kindes. Darin kommt eine besondere Dynamik ans Licht, der ich selbst bislang wenig Beachtung geschenkt habe. Den Schriftwechsel teile ich weiter unten anonymisiert und editiert. Er veranschaulicht beipielhaft die grotesken Folgen der gängigen therapeutischen Praxis für BeidhänderInnen. Um die Aussagen darin richtig verorten zu können, gibt es zunächst ein bisschen »Hirnfutter«.

Wozu hat man zwei Hände?

Beidhändigkeit geht offenbar mit einer verlangsamten Festigung der Händigkeit einher. Das war bei mir so und offenbar ist das auch bei anderen Beidhändern so. Ich konnte bei Schuleintritt mit beiden Händen etwa gleich gut schreiben, malen etc. Nun ja, ich fand das ziemlich naheliegend, sehr nützlich und logisch. Wozu hat man denn zwei Hände, wenn man sie dann nicht benutzt? Die Lehrerin war da konservativer und so musste dann mit rechts schreiben. Ich hatte oft Krämpfe in der Hand vom Schreiben. Aufsätze waren eine Tortur. Rechts schreiben ist bei mir viel »kopfgesteuert« und wenig automatisiert, weil es nicht meiner inneren Ordnung entspricht. Heute tue ich mir das nicht mehr an. Längere Texte schreibe ich am Computer – entspannt und beidhändig. Kurze Notizen mache ich mit der Hand, die gerade frei ist.

Begabung und Hirnentwicklung

Diese spätere Festigung der Händigkeit stimmt gut überein mit den Erkenntnissen der Begabungsforschung. Bei Hochbegabten ist die Hirnreifung insgesamt ausgedehnt bis in die Pubertät. So berichten Philip Shaw und sein Team davon, dass bei Hochbegabten die größte Dicke der grauen Substanz (Cortexdicke) erst zwischen dem 11. und 12. Lebensjahr erreicht wird. (P. Shaw et al. Intellectual ability and cortical development in children and adolescents, 2006)
Dagegen wird dieser Punkt bei Normalbegabten bereits mit rund 6 Jahren erreicht. Die danach einsetzende Verminderung der Cortexdicke wird als Hinweis verstanden, dass dann feste Muster diese Fähigkeiten übernehmen. Dadurch braucht man weniger graue Substanz und gewinnt Effizienz.

Bei Normalbegabten erfolgt die Festigung der Händigkeit dadurch bereits mit dem Schuleintritt. Und dies entspricht der allgemeinen Erwartung im pädagogisch-therapeutischen Bereich. Bei Hochbegabten ist diese Entwicklung jedoch über das 11. Lebensjahr hinaus verlängert. Nun mag man einwenden, dass Beidhändigkeit zunächst eine motorische Begabung darstellt. Jedoch haben auch solche anderweitig Begabten hohe Werte in IQ-Tests gezeigt. Aus der Zusammenschau der Forschungsdaten leitet sich daher die Faustregel ab:

je höher die Begabung, desto später die Festigung der Befähigung.

Diese Erkenntnis leitet über zu der Wahrnehmung, dass die Festigung der Handlungsmuster bei Beidhändigkeit tendenziell später geschieht. Falsch ist mithin die Annahme, dass dies auf eine »Rechts-links-Verwirrung« oder eine Entwicklungsverzögerung (Retardierung) hinweist. Vielmehr ist hier eine abweichende Hirnentwicklung im Gange, die am Ende sogar ein MEHR verspricht.

Die Verwirrung ist groß

Wie im Beitrag Beidhändigkeit und das neue Sattler’sche Gesetz … rechtshändig, linkshändig oder gestört? bereits ausgeführt, beruhen die Lehrmeinungen von Frau Dr. Sattler auf dem längst widerlegten Hemisphärenmodell. Danach sind alle Nicht-Rechtshänder automatisch Linkshänder. Und Pädagogen wie Therapeuten erwarten, dass die Händigkeit auch bereits bei Schuleintritt gefestigt ist. Nur nicht aus der Reihe tanzen! Und damit werden Beidhänder nach wie vor als zurückgeblieben und störend wahrgenommen. (Hoch)begabte Zurückgebliebene, die man »zurückschulen« müsse zu Linkshändern – welch ein Aberwitz! Aber lest selbst:

S.M.: (der Schriftwechsel ist anonymisiert und editiert): Seit 6 Monaten wird unser Sohn (8 J.) mit Hilfe einer Ergotherapeutin rückgeschult auf links, da er (laut Sattler-Testung) Linkshänder sei. Seine Klassenlehrerin empfahl uns diese Testung, da ihr seine Unkonzentriertheit und Desinteresse am Schreiben aufgefallen war. Ich bin nach wie vor nicht sicher, ob wir mit der Rückschulung das Richtige tun, da mir nie aufgefallen war, dass er Linkshänder ist.

Im Moment schreibt er mit beiden Händen fast gleich gut, er sagt, er weiß es selbst nicht, mit welcher Hand es besser geht. Wir sind sehr verunsichert, ob wir mit dieser Rückschulung nicht den größeren Schaden anrichten. Im Alltag macht er alles sonst mehr mit rechts. Er ist sonst ein sehr schlaues Kerlchen, auch sportlich sehr begabt. Seine Unkonzentriertheit in der Schule kann er gut kompensieren, er hat trotzdem gute Noten. Haben Sie mehr Literatur zum Thema, bzw. einen Tipp?

S.M.: Seine Ergotherapeutin sagt: wenn er nicht Linkshänder wäre, würde er nicht so lange mitmachen, die linke Hand zu trainieren. Andererseits, wenn es schnell gehen muss (z. B. in einem Test) nimmt er die rechte Hand. Auch beim Malen, wenn etwas schwierig erscheint, nimmt er die rechte Hand, er sagt, er will sehen, was er malt. Er sagt von sich er wäre Beidhänder. Bisher hab ich ihm widersprochen (so wie Sattler) und gesagt, das gäbe es nicht. Dann behauptet er auch oft, er sei Linkshänder (weil der Test das festgestellt hat und weil die Ergotherapeutin das sagt). Wenn ich ihn dann frage, warum er mit rechts dann aber schneller schreiben kann, hat er auch keine Antwort mehr darauf und ist ratlos. Die Verwirrung ist groß.

S.M.: Diese „Unklarheit“ bezieht sich übrigens nur auf das Schreiben, nachdem er 6 Monate mit links geübt hat. Die Rückschulung soll auch nur das Schreiben betreffen. Alles andere macht er nach wie vor mit rechts: z. B. Tischtennis, Zähne putzen, Brot schmieren. Es kann doch nicht sein, dass er sich das Rechtshändige alles abgeguckt hat, oder?

Bernhard Bühr: Wenn nach 6 Monaten »Rückschulung« noch nicht einmal klar erkennbar wird, dass Ihr Sohn linkshändig ist, dann ist er auch nicht linkshändig. Dass er damit auch nicht automatisch rechtshändig ist und am besten auch beidhändig bleiben sollte, sehe ich als die wirkliche Lösung. Wenn ein Kind ein umerzogener Linkshänder ist, dann hat sich nach 6 Monaten zumindest der Knoten im Kopf gelöst, zumal, wenn das Kind erst 2 Jahre schreibt. Das heißt, es würde ihm mit links zu schreiben subjektiv viel leichter fallen als mit rechts. Es würde sich richtiger anfühlen etc.

Dass Ihr Sohn da mitmacht kann ebenso gut bedeuten, dass es für ihn neu, interessant, also eben das »Hirnfutter« ist, das er in der Schule vermisst. Und als Beidhänder bekommt er es natürlich auch hin mit links zu schreiben. Aber das ist nicht der Sinn einer Rückschulung.
Die Bevorzugung einer Hand als Führungshand guckt man sich nicht ab, sondern sie entwickelt sich allmählich. Und natürlich muss das nicht für alle Tätigkeiten die gleiche Hand sein, vgl. Kreuzhändigkeit. So sind Beidhänder nun mal, dass sie manches rechts und manches links machen.

Unkonzentriertheit und Desinteresse sind hier eher weitere Hinweise auf eine Hochbegabung. Ich würde daher empfehlen, dem nachzugehen mit einem IQ-Test. Denn dann braucht Ihr Sohn eine angemessene Förderung, bevor er sich weiter langweilt, darüber den Anschluss an den Schulstoff verliert und »schwierig« wird. Dieses Durchlavieren in der Schule gelingt auch Begabten nur etwa bis zur 4. Klasse. Übrigens ist ein Drittel der Hochbegabten auch hochsensibel, was also ebenfalls gut passen würde.

Auch bei einem IQ unter 130 empfehle ich prinzipiell das gleiche Vorgehen. Lassen Sie ihr Kind beidhändig sein. Auch als Beidhänder wird er eine bevorzugte Seite entwickeln – hier wohl rechts.
Natürlich heißt das, dass Sie zunächst zwischen den Stühlen stehen, wo seine Lehrerin wohl auch auf diesen veralteten Ideen reitet. Wenn Sie sich jedoch da drücken und ihren Sohn im Regen stehen lassen, organisieren Sie sich an anderer Stelle Probleme.

Literatur: In meinem ersten Artikel habe ich die Originalstudie verlinkt. Christman und Prichard haben zwar etliche Fachartikel veröffentlicht, Bücher finde ich bislang keine von den beiden.

S.M.: Sie sagen, das Wechseln würde Ermüdungserscheinungen entgegenwirken, aus dem Grund dürfe er wechseln, wie er will? Das klingt alles sehr interessant und auch sehr plausibel, das passt alles viel mehr zu meinem Kind, als das konsequente »Rückschulungsmodell«, mit dem ich die ganze Zeit Bauchschmerzen habe. Zwischen den Stühlen zu sitzen ist okay. Das schaffen wir schon.
Also mache ich ihm in Zukunft die Ansage, er darf ganz nach seinem Gefühl entscheiden, wann er mit welcher Hand schreiben will. Das klingt für mich sehr gut. Ich traue ihm eigentlich auch zu, dass er sich selbst diesbezüglich einschätzen kann. Aus welchem Grund sollte er auch sonst so wechseln?

Die Ergotherapeutin sagt, bis zu den Osterferien soll er sich entschieden haben, ob rechts oder links. Auch hat sich die Unkonzentriertheit nicht gelegt, seit er mit links schreibt, so es wie die Hoffnung der Lehrerin war. (Hinweis dafür, dass Unkonzentriertheit nicht von der »falschen Schreibhand« kommt, so wie Frau Sattler es beschreibt).

 

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Das Ernährungstagebuch https://varzeamilagrosa.com/ernaehrungstagebuch/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=ernaehrungstagebuch https://varzeamilagrosa.com/ernaehrungstagebuch/#respond Thu, 11 Apr 2019 09:12:30 +0000 http://ernaehrung-heilen.de/?p=789   »Ein Ernährungstagebuch zu führen ist eine Reise zu Ihnen selbst und Ihrem selbstbestimmten Essen.« Eingebildet oder wirklich? Ein Ernährungstagebuch zu führen ist eine der besten Möglichkeiten, um Zusammenhänge zwischen Nahrungsmitteln und Wohlergehen aufzuspüren. Ob Allergie, Intoleranz, Stress oder Nebenwirkung … im Ernährungstagebuch bilden sich die Zusammenhänge ab. Auch Erscheinungen, für die es bislang noch […]

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»Ein Ernährungstagebuch zu führen ist eine Reise zu Ihnen selbst und Ihrem selbstbestimmten Essen.«

Eingebildet oder wirklich?

Ein Ernährungstagebuch zu führen ist eine der besten Möglichkeiten, um Zusammenhänge zwischen Nahrungsmitteln und Wohlergehen aufzuspüren. Ob Allergie, Intoleranz, Stress oder Nebenwirkung … im Ernährungstagebuch bilden sich die Zusammenhänge ab. Auch Erscheinungen, für die es bislang noch keine Untersuchungsmöglichkeiten gibt, lassen sich damit erfassen. So lässt sich binnen weniger Wochen klären, ob Ihre Befindlichkeit etwas mit der Ernährung zu tun hat oder andere Gründe hat.

Natürlich erkennen Sie in den Aufzeichnungen auch, welche Rolle der Stress auf Sie hat. Richtig genutzt, gibt Ihnen das Ernährungstagebuch also stetiges Feedback zu Ihrer Ernährung. Sie lernen sich selbst besser kennenlernen mit Ihren Begrenzungen und Möglichkeiten. Die Ernährungsbedürfnisse werden klarer, so dass Sie Ihre Gesundheit noch besser unterstützen können. Sie entwickeln sich zu einer individuell optimierten Kost hin.

Ein Weg zu oraler Selbstbestimmtheit

Das Ernährungstagebuch ist jedoch auch ein Weg zu einer größeren oralen Selbstbestimmtheit. Wenn Sie über Ihre Aufzeichnungen und das Wie und Warum nachsinnen, werden Sie sich Ihrer Essgewohnheiten bewusst. Sie entdecken nach und nach die Denkmuster dahinter. Aspekte wie Herkunft und soziales Umfeld, Lebensereignisse und Zeitgeist, die in unser Essverhalten hineinwirken, werden deutlich. Aus dieser Bewusstheit heraus reifen dann bewusste Entscheidungen. So erwächst aus diesen Reflexionen schrittweise eine selbstbestimmte Essweise.

Mehr über die Arbeit mit dem Ernährungstagebuch finden Sie in unserem Buch Ernährung für Hochsensible (Gräfe und Unzer, 2019).

… und wenn Sie in Ihrer Arbeit mit dem Ernährungstagebuch nicht weiterkommen oder von Anfang an eine ganzheitliche Begleitung wünschen, nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf und vereinbaren Sie ein kostenfreies Vorgespräch.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Vervielfältigen Sie sie die Vorlage Ernährungstagebuch Bühr Engl
  • Aktualisieren Sie ihr Ernährungstagebuch mindestens zwei Mal täglich
  • notieren Sie für die jeweilige Tageszeit alles, was Sie gegessen oder getrunken haben
  • Notieren Sie knapp und präzise; geben Sie beim ersten Eintrag Details mit an
  • Mengenangaben in Stück/Portionen sind ausreichend
  • Bei Gerichten notieren Sie bitte auch Zutaten, bei Wiederholung nur die Veränderungen wie »Rest von gestern aufgewärmt«
  • Notieren Sie auch Kleinigkeiten wie Snacks
  • Zutatenlisten auf Fertigprodukten können Sie als Foto anhängen oder ausschneiden und aufkleben
  • Notieren Sie unter »Medikamente und Sonstiges« einmalig die aktuell eingenommenen Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel, Antibabypille. Unregelmäßiges wie Zigarettenkonsum notieren Sie mit Zeitangabe. Auch essbares Gleitgel oder anderes, das Sie zu sich nehmen, sollte hier stehen. Sollten Sie ein z. B. Pica-Syndrom (Essen von Nicht-Nahrungsmitteln wie Haaren, Papier etc.) haben, tragen Sie dies hier ein.
  • Seien Sie ehrlich zu sich selbst! Geschönte Aufzeichnungen werden Sie in Ihrem Problem festhalten.
  • Notieren Sie unter »Befinden« alle Auffälligkeiten so, dass der zeitliche Zusammenhang klar wird.
  • Notieren Sie unter »Besonderheiten im Tageslauf« die wichtigsten positiv bewegenden und unangenehmen Ereignisse wie den Beginn der Menstruation, Infekte, stressige Berufssituationen, das aufregende Date.
  • Halten Sie am Ende des Tages die Gefühle, Gedanken und Erkenntnisse fest, die Ihnen beim Nachspüren über Ihr Essen kommen.
  • Beginnen Sie Ihr Ernährungstagebuch so bald als möglich! Nur allzuschnell wird der frisch gefasste Entschluss von Scham, Vergessen und Selbstsabotage zerfressen. Hier nochmals der Link zur Vorlage: Ernährungstagebuch Bühr Engl

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Ernährung für Hochsensible – das Buch ist da! https://varzeamilagrosa.com/ernaehrung-fuer-hochsensible-das-buch/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=ernaehrung-fuer-hochsensible-das-buch https://varzeamilagrosa.com/ernaehrung-fuer-hochsensible-das-buch/#comments Sun, 10 Mar 2019 22:07:16 +0000 https://ernaehrung-heilen.de/?p=2440 Ernährung für Hochsensible – das Buch Das vielfache »Wo kann man das nachlesen?« hat Früchte getragen. Der Kompaktratgeber ist da: Bernhard Bühr, Eva-Maria Engl, M.A. – Ernährung für Hochsensible (Gräfe und Unzer, 2019, erhältlich im Buchhandel und als Ebook). Grundlegende Erkenntnisse über die Ernährung für Hochsensible Das Buch versteht sich als kompakter Ratgeber für Betroffene, […]

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Ernährung für Hochsensible – das Buch

Das vielfache »Wo kann man das nachlesen?« hat Früchte getragen. Der Kompaktratgeber ist da: Bernhard Bühr, Eva-Maria Engl, M.A. – Ernährung für Hochsensible (Gräfe und Unzer, 2019, erhältlich im Buchhandel und als Ebook).

Grundlegende Erkenntnisse über die Ernährung für Hochsensible

Das Buch versteht sich als kompakter Ratgeber für Betroffene, insbesondere bei Schwierigkeiten mit der Ernährung. Zunächst stellen wir das Aktivierungs-Sensitivierungs-Modell vor, mit dem die körperlichen Vorgänge bei Hochsensibilität besser verstanden werden können. Darauf aufbauend widmen wir uns den typischen Schwierigkeiten Hochsensibler mit Überstimulation durch Genussmittel, Intoleranzen und Histaminreaktionen.

Das Buch bietet praktische Anleitung für die Suche nach Intoleranzen ebenso wie Möglichkeiten, die Kost dennoch genussvoll und vollwertig zu gestalten. So hilft eine Aroma-Austauschtabelle Alternativen zu finden. Besonderen Wert legen wir natürlich auf die Verbindung von Gesundheit und Genuss.

Besondere Essbedürfnisse führen oft zu seelischen Verletzungen und Ausgrenzung. Deshalb widmet sich das Buch auch den sozialen und seelischen Aspekten hochsensibler Ernährung. Schilderungen aus unserem eigenen hochsensiblen Alltag machen den Ratgeber anschaulich und gut lesbar. Ergänzt wird das Buch mit Grundrezepten, die Bernhard selbst entwickelt hat für die gluten- und milcheiweißfreie Küche.

Die Autoren

Wir, das sind Bernhard Bühr und Eva-Maria Engl, M.A. Beide selbst hochsensibel und im Nachkriegs- und Wirtschaftswunder-Deutschland aufgewachsen, haben wir noch einen unmittelbareren Bezug zum Essen als nachfolgende Generationen. Während Eigenanbau und Wildsammlung heute als alternativ und trendy gelten, haben wir das noch als Selbstverständlichkeit erlebt. Wir haben als Hausmann bzw. -frau die Mehrfachbelastung Familie-Kind-Beruf durchlebt und erleben nun bereits unsere Kinder als junge Eltern. Mit diesem Blick in verschiedene Lebenswelten begegnen wir der modernen Waren-Wunder-Welt und ihrer schleichenden Entmündigung mit gesunder Distanz.

Orale Selbstbestimmung

Ent-mündigung darf hier durchaus direkt verstanden werden als »nicht mehr über seinen Mund bestimmen zu können« und »keine eigene Stimme mehr haben«. Wir sehen es daher als durchaus etwas sehr »Gesundes«, wenn sich der hochsensible Körper gegen die fortwährenden Täuschungen, Minderwertigkeiten und Bevormundungen wehrt.

Eine gesunde Ernährung geht daher auch über Ernährungsratschläge und Rezepte hinaus. Wir laden mit unserem Buch »Ernährung für Hochsensible« vielmehr ein, in eine orale Selbstbestimmung hineinzuwachsen

Rezensionen

Wir freuen uns hier über einen regen Austausch über das Buch. Diese ersten Rezensionen haben wir per PN erhalten und dürfen Sie hier veröffentlichen:

Frau Maren R. aus Kiel – Endlich hat ein Buch mit dem Titel „Ernährung für Hochsensible“ den Büchermarkt erobert!

Sehr kenntnisreich und befreit von trendigen Dogmen sowie schablonenhaften „Ismen“ schreibt das Paar Eva-Maria Engl und Bernhard Bühr, beide hochsensibel, konzentriert auf nur 142 Seiten an ein entsprechendes Publikum. Trotz des relativ kompakten Umfangs spart der Inhalt nicht an Tiefe und Differenziertheit. Nicht nur Hochsensible können von dem Ernährungsratgeber profitieren, sondern er eignet sich auch für sogenannte Normalsensible als eine kluge Quelle des Wissens und der Bereicherung, denn: Was für Hochsensible gut ist, wird auch auf die meisten zutreffen!

Obwohl es nicht das Hauptanliegen des Buches ist, findet sich bereits auf den ersten Seiten eine umfängliche Erklärung davon, was unter Hochsensibilität verstanden wird. Anschaulich illustriert das Werk eines impressionistischen Malers die reizintensive Wahrnehmungsweise Hochsensibler. In diesem Sinne will das Buch nicht als bloße Rezeptsammlung verstanden werden, was der Titel irrtümlich suggerieren könnte, sondern vielmehr auf der Basis sachkompetenter Wissensvermittlung zum selbstständigen Handeln anleiten und motivieren. Wer ein Buch zum gemütlichen Zurücklehnen mit pauschalen Handlungsmustern sucht, findet sich darin als Leser*in sicherlich nicht wieder!

Zahlreiche Schaubilder und Tabellen, zum Beispiel zum Unterschied von Intoleranzen und Allergien, vermitteln einen guten Überblick. Die auslösenden Stressoren, die zu einer gestörten Kommunikation zwischen hochsensiblem Darm und Gehirn führen können, werden im Einzelnen erörtert. Bei Hochsensiblen unterliegt die Reizverarbeitung einer anderen Verbindung von Aktivierung und Sensibilisierung als bei der überwiegenden Mehrheit. Eine Schlüsselrolle bekleidet innerhalb dieser komplizierten Mechanismen, die ausführlich erläutert werden, das Hormon Dopamin. Ebenso wird auf historische, soziologische, kulturelle und auch psychologische Faktoren unserer Ernährungsgewohnheiten Bezug genommen. Eine Empfehlung lautet, sich ein eigenes Besteck mit Etui zuzulegen, das die Nahrungsaufnahme respektvoll würdigt und dem eigenen Wohlbefinden zusagt – denn Scharfkantiges und Hartes aus Stahl werden von sensiblen Menschen oftmals als unangenehm empfunden.

Ein besonderer Schwerpunkt kommt überhaupt der individuellen Ernährung zu, die für jeden Menschen also eine spezielle, auf nur ihn Zutreffende ist. Daher wird auch Wert gelegt auf das empirische, differenzierte Testen von Speisen, auf deren Bekömmlichkeit, um den individuellen Ernährungsplan zu optimieren. Die Vorlage für ein Ernährungstagebuch auf der aufklappbaren hinteren Umschlagseite soll dabei helfen und unterstreicht sowohl den prozesshaften Charakter des Themas Ernährung als auch die Verzahnung von Theorie und Praxis.

Ein „Kleines Küchenbrevier“ mit „Bernhards Küchentipps für mehr Bekömmlichkeit“ und ein paar Rezeptbeispielen „für den hochsensiblen Gaumen“ runden die Thematik neben einer Bücher- und Adressenliste sowie einem Register ab. Die Autorin und der Autor verweisen dabei auf ihren Blog https://ernaehrung-heilen.de, der die Leser*innen somit auch nach dem Lesen des Buches nicht allein lässt und als Kontaktmöglichkeit fungieren kann. Da die Grundlagenvermittlung auf Problemfaktoren wie Histamin, Milcheiweiß oder Gluten in unserer Nahrung eingeht, entbehren die Rezepte dieser Komponenten. Die Wildpflanzen- und Sammlerkost, die weitgehend frei von künstlichen Zusätzen oder Chemikalien beziehungsweise Reizstoffen ist und zudem historische Entwicklungstatsachen erfüllt, wird in die Rezepte eingebunden. Alternativ zu gezuckerten Weißmehlprodukten werden vor allem gesunde glutenfreie, dennoch energiereiche Zutaten für süße und herzhafte Backwaren, aber auch ein Wildkräutersalat präsentiert.

Die Visualisierung des Themas Ernährung für Hochsensible wird bereits durch die vordere Umschlaggestaltung hervorragend umgesetzt: Auf fliederfarbenem Untergrund hängen nach Art eines fragilen Mobiles, Wind- oder Klangspiels, welches Erinnerungen an Kindertage weckt, aber auch allgemein Spielerisches assoziieren lässt, verschiedene Nahrungsmittel an dünnen Fäden. Der Eindruck eines bunten Potpourris entsteht, dessen verschiedene Elemente miteinander in Einklang via eines sensiblen Balanceaktes gebracht werden müssen. Sogleich symbolisiert das Cover, dass es Eva-Maria Engl und Bernhard Bühr darum geht, jegliche Einseitigkeit und Einfalt zu vermeiden. Die Fragilität des Balanceaktes, den wir als Jongleure mit unserer Nahrung wie ein Künstler zu meistern haben, wird ebenso offenbar wie der Hinweis auf eine möglichst ausgewogene Ernährung.

Nicht zuletzt beeindruckt das Buch durch genau diese Mischung aus einer fundierten, genau recherchierten, seriösen Wissensvermittlung und Praxiserfahrungen; Subjektivem, Persönlichem und Objektivität; Lehrbuch und Motivation zum Gebrauch als Arbeitsbuch. Summa summarum: Der vorliegende Ernährungsratgeber, der außerdem vorbildlich auf Papieren aus nachhaltiger Waldwirtschaft gedruckt wurde, überzeugt durch seinen ganzheitlichen, vernetzt angelegten Ansatz, in dem Struktur und Kreativität transponiert werden.

Gebündelt auf relativ wenigen Seiten wird das Wesentliche zur Ernährung für Hochsensible dem Laien verständlich dargebracht und taugt sogar als schnelle Alltagshilfe, ohne dabei an Ausführlichkeit einzubüßen.

Besonders gefällt mir, dass auf einseitige Pauschalierungen verzichtet wird und die Lesenden zur Selbsterkundung angeregt werden, wodurch sich dieser Ernährungsratgeber von der Masse anderer Publikationen dieses Genres deutlich abhebt – ein weises Buch über die Ernährung für Hochsensible, die immerhin ca. 20 % der Gesellschaft ausmachen, das auf dem Büchermarkt seinesgleichen sucht.

Dr. Peter G. (Jurist) zum Buch »Ernährung für Hochsensible« – Endlich gesund!

Der Titel lässt es bereits vermuten – ich bin für dieses Buch ausgesprochen dankbar, denn es ist (jedenfalls nach meinem Kenntnisstand) der erste Ratgeber, der sich mit der Hochsensibilität auf der Ebene ihrer körperlichen Entstehung beschäftigt, und damit mit der Ursachenentstehung und ihrer Bewältigung. Da ich kein Freund der global angeratenen Symptombehandlung bin („vermeiden Sie zu viele Reize“) und auch mit der oftmals esoterisch angehauchten Literatur zu diesem Thema kaum etwas anfangen kann, kommt mir ein derart handfester Ansatz sehr entgegen. Gleichwohl darf man sich kein nüchternes Kapitel aus einem chemischen Fachbuch vorstellen – es ist hierneben voll von wertvollsten Empfehlungen, die auch mit dem Herzen die Essenz der Hochsensibilität und den Umgang mit ihr auf das Papier bringen, und zwar in einer weit über die Ernährung hinausgehenden Form, mit der sich im täglichen Leben auch etwas anfangen lässt. All das auf sehr kompakt geschriebenen ca. 150 Seiten und man merkt den beiden selbst hochsensiblen Autoren mit jeder Zeile an, dass sie all ihr Wissen, all ihre Erfahrung und all ihre Liebe in dieses Buch gesteckt haben.

Da ich mir vorstellen kann, dass auch andere entsprechend Veranlagte eine lange Reise durch die Ernährungsformen hinter sich haben, hole ich als kleine Vorbemerkung ein wenig weiter aus. Aber keine Sorge, am Ende schließt sich der Kreis … 😉

Ich bin selbst seit knapp 10 Jahren auf der Suche nach der „richtigen“ Ernährung (und Diagnose) und beides habe ich mit diesem Buch erst so richtig gefunden und begriffen. Da ich schon immer den Eindruck hatte, mit der Ernährung sehr viel „bewirken“ zu können, startete meine Reise mit Ausflügen in die vegane Ernährung. Schlagartig ging es mir besser, plötzlich war alles da – wach, klar, frisch, gut gelaunt, vor allem sehr ruhig, Energie ohne Ende. Auch körperlich fühlte ich mich „sauber“, endlich hatte ich keinen aufgeblähten Bauch mehr. Ein Traum, der aber nicht von Dauer war. Ich wurde schlapp, fahrig, fragil und spürte förmlich, wie ich mich nach dem tierischen Eiweiß und Fett sehnte. Als ich das dann wieder zuführte, ging es ebenso schlagartig wieder besser. Passte also wohl nicht mit der veganen Ernährung (leider war ich damals noch nicht so weit mir Gedanken dazu zu machen, was genau das Hochgefühl / die Reizminderung versursacht und was mir gefehlt hat). Na gut, dann der nächste Versuch. Markobiotik. Passte nicht. Und der nächste. Auch kein Treffer. So ging es – über Jahre – weiter und weiter und ich habe mich an sich immer nur nach dem flash und der Ruhe gesehnt, den ich beim erstmaligen Probieren der veganen Ernährung hatte.

Der kam aber nicht mehr. Manchmal war es gut, öfter schlecht und meine Empfindlichkeit auf äußere und innere Reize nahm immer weiter zu. Ich entwickelte eine handfeste MCS, konnte kaum in meinem eigenen Haus wohnen und habe mir schließlich von Familie und Freunden einreden lassen, es sei „etwas Psychisches“ und habe erstmals von meiner Therapeutin das Schlagwort Hochsensibilität gehört. Ich habe dem zunächst keine Bedeutung beigemessen, aber interessehalber doch ein wenig online recherchiert. Auf der Homepage von Herrn Bühr war dann in der Ankündigung des Buchs zu lesen, dass er als „Grundausstattung“ für den HSP-Veranlagten neben der milcheiweißfreien vor allem die glutenfreie Ernährung empfiehlt. Mein Interesse für einen weiteren Versuch war geweckt, zumal ich mich, selbst wenn diese Assoziation im Zusammenhang mit HSP natürlich nicht ganz passend ist, plötzlich daran erinnerte, dass auch der derzeit Weltranglistenerste Novak Djokovic, wie er in seinem Buch „Siegernahrung“ sehr anschaulich schildert, erst seinen sportlichen Durchbruch erlebt hat, nachdem er auf Gluten verzichtete (und ich genau diesen Verzicht merkwürdigerweise noch nie zuvor probiert hatte). Intuitiv packte ich also die bekannten (Alkohol, Zucker, Milchprodukte) und neuen (Gluten) Verdächtigen zusammen und verbannte sie aus meiner Ernährung. Was sich dann innerhalb von wenigen Tagen einstellte, nur aufgrund dieser kleinen Anpassung (auch kein Gluten), war ENDLICH das Ende meiner Ernährungsreise. Ich fühlte mich endlich wieder perfekt und rundherum gesund: gut gelaunt und klar, frisch und kraftvoll, extrem konzentriert, Empfindlichkeit auf äußere Reize um 80% reduziert – aber diesmal stabil, was ich darauf zurückführe, dass ich weiterhin (moderat) Eier, Fleisch und Fisch esse.

Mein Interesse für die weiteren Empfehlungen der Autoren war aufgrund dieses für mich riesigen Erfolges mehr als geweckt. Daher nun (endlich) etwas näher zum Buch: Nach einer kurzen Darstellung der Begrifflichkeiten geht es sofort ans Eingemachte: Bestimmte Stressoren sind offenbar verantwortlich für die Störung des neuroendokrinen Systems, und zwar in der Form, dass eine überdauernde Sensitivierung des Dopaminsystems (erhöhte Aktivierung) erfolgt, was einen unverhältnismäßigen Verbrauch auch verschiedener Neurotransmitter mit sich bringt (v.a. GABA), was wiederum die HSP-typischen Beschwerden nach sich zieht. Weiter werden im Detail und nachvollziehbar sämtliche Stressfaktoren für das Dopaminsystem dargestellt und auch erläutert, wie diese vermieden werden können. Noch detaillierter erfolgt sodann die Darstellung der ernährungsbedingten Stressoren.

Neben mir bekannten oder vermuteten Dingen sind hier auch sehr viele Tipps enthalten, die offenbar der jahrelangen Erfahrung der Autoren entspringen und die für mich wirklich unbezahlbares „Insiderwissen“ darstellen – nur ein Beispiel: „grüner Kaffee“ als bekömmlichere Variante des normalen gerösteten Kaffee, der mich oftmals übermäßig unruhig und fahrig macht. Neben den erregenden Stressoren für das neuroendokrine System wird im Weiteren dargestellt, dass auch die beruhigenden Systeme betroffen sind (mit zahlreichen Beispielen). Schließlich wird auch dem Thema Histamin ein sehr ausführlicher Abschnitt gewidmet.

Auf der Grundlage dieses Fundamts gibt es sodann konkrete Empfehlungen für eine maßgeschneiderte Kost. Besonders positiv finde ich hier, dass trotz aller konkreten Hinweise primär Rahmenbedingungen aufgezeigt werden, mit denen man sich ein maßgeschneidertes Konzept selbst erstellen kann. Das hat mir immer gefehlt. War ich kein Veganer mehr, habe ich wieder ALLES an tierischen Nahrungsmitteln gegessen. Weil ich eben nicht mehr im veganen Konzept war. Eine derart enge Denkweise empfehlen die Autoren abzulegen und für mich ist es genau der richtige Weg. Meine Ernährungsweise muss keinen Namen haben, sondern sie muss mir gut tun. Was für eine befreiende Erkenntnis! Und in diesem Sinne gibt hier HSP-spezifische „Gebrauchsanleitungen für den gesunden Darm“, die individuell umgesetzt werden können.

Hierneben ein ganzes Kapitel zum Thema „Beeren, Blüten, Kräuter“, das riesige Lust macht, sich einmal mit Wildkräutern zu beschäftigen. Wie jeder Einzelne schließlich individuell mit seinem Essen ankommen kann, wird in einem weiteren Kapitel dargestellt, in dem es darum geht, sich selbst nicht nur als Esser, sondern als Genussmenschen besser kennen zu lernen. Schließlich gibt es sehr schöne Anregungen auch für konkrete Essrituale, alles in einer Form, die sofort intuitiv einlädt, es zu probieren. Schließlich wird für die neuen Gewohnheiten ein Ernährungstagebuch empfohlen. Abgerundet werden alle Ernährungsempfehlungen durch einige Küchengeheimnisse für mehr Bekömmlichkeit, die auch für mich als Hobbykoch noch einigen Input und viele Erkenntnisse gebracht haben. Letztlich gibt es auch noch viele Rezepte, die mir deshalb gut gefallen, weil es Grundrezepte sind. Ich will nicht immer dasselbe kochen, sondern lieber lernen, wie ich mit einer Grundidee tausend eigene Kreationen herstellen kann, wenn ich sie ein wenig anpasse.

So, jetzt bin ich fertig. Warum habe ich eigentlich so viel geschrieben? Weil ich den Autoren unendlich dankbar bin. Dafür, dass ich meinen Weg durch den Ernährungs-Jungle endlich abschließen konnte, aber noch viel mehr dafür, dass ich nun mit der frisch erkannten Hochsensibilität (meistens) gut leben kann. Ich gehe sogar fast so weit zu sagen, dass ich sie nun oft als Geschenk ansehe, denn ich erlebe, sehe, rieche, schmecke und fühle natürlich immer noch genau so viel – aber ohne, dass es mich stresst. Herr Bühr nennt so ein zwar vom Stress, aber nicht von den Eindrücken der Hochsensibilität befreites Wirken ein „Leben in HD“ und das finde ich wirklich ganz treffend.

Nur noch ein letzter Hinweis, weil dieser Punkt bei mir den entscheidenden Durchbruch gebracht hat: Man muss, dieser Hinweis ist auch im Buch [Ernährung für Hochsensible] zu finden, als HSP kein Zöliakie-Kandidat sein, um gravierende Verbesserungen durch den Glutenverzicht zu erfahren. Bei mir sind nicht einmal Antikörper im Sinne einer Glutensensitivität festgestellt worden. Und trotzdem war es DIE entscheidende Umstellung. Ein Versuch lohnt sich also in jedem Fall.

Allen Hochsensiblen wünsche ich auf Ihrem individuellen Weg von Herzen alles Gute – dieses Buch kann in meinen Augen eine sehr große Hilfe dabei sein!

Anne P. (Autorin) zum Buch »Ernährung für Hochsensible«

Etwas kritisch bin ich an die Lektüre herangetreten, denn ich war der Meinung: „Was will man mir noch über Ernährung erzählen? Ich weiß doch sicherlich schon alles“. Aber die ernährungsphysiologischen Gesamtzusammenhänge bei Hochsensiblen sind viel komplexer, als ich vermutet hätte. Die Autoren erklären die Kommunikation im Körper samt aller Reaktionen und Wechselwirkungen sehr gut – und zwar anhand evidenzbasierter Studien. Aber auch alternative Tipps aus der Pflanzenheilkunde z. B. kommen nicht zu kurz. Nur eine Anmerkung: Ich hätte mir mehr Rezeptideen gewünscht – vor allen Dingen Deftiges!

Bernhard Bühr (Autor) als Antwort auf obige Rezension:

Herzlichen Dank für Ihre Rezension. Die ernährungsphysiologischen Gesamtzusammenhänge der Ernährung für Hochsensible sind nicht nur komplex, sie wurden in diesem Buch überhaupt erstmals dargelegt. Nun ja, der knappe Rezeptteil ist zum Teil dem Buchformat geschuldet. Zum anderen führen wir die Menschen jedoch ohnehin viel lieber zu Ihrer Herzensküche, die dann weitgehend ohne Rezepte auskommt. Obschon jeder Tag bei mir anders schmeckt, brauche ich nur Grundrezepte.

Rezepte verstellen eher den Blick aufs Kochen als dass sie hilfreich sind. Und als Hochsensible sind wir ja geradenach begabt dazu, die Harmonien im Essen intuitiv zu erfassen. Wenn man die Küchentechniken beherrscht, ist der Rest Jazz am Herd. Oder wie Alain Passard (französischer Sternekoch) es ausdrückte: The most beautiful cookery book was written by nature itself! (Übers.: Das schönste Kochbuch wurde von der Natur selbst geschrieben. Quelle: www.alain-passard.com/en/)

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Beidhändigkeit und das Sattler’sche Gesetz: rechts, links oder gestört? https://varzeamilagrosa.com/beidhaendigkeit-und-das-neue-sattlersche-gesetz-rechts-links-oder-gestoert/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=beidhaendigkeit-und-das-neue-sattlersche-gesetz-rechts-links-oder-gestoert https://varzeamilagrosa.com/beidhaendigkeit-und-das-neue-sattlersche-gesetz-rechts-links-oder-gestoert/#comments Thu, 30 Aug 2018 22:41:21 +0000 https://ernaehrung-heilen.de/?p=2090 Beidhändigkeit und das Sattler’sche Gesetz … rechtshändig, linkshändig oder gestört? (überarbeitet am 10.03.2020) Nachdem Linkshändigkeit allmählich doch akzeptiert wird, werden nun Beidhänder diskriminiert wie ehedem die Linkshänder. Allgemein wird dabei auf eine Frau Dr. Sattler verwiesen, die sich zu der Ansicht verstiegen hat, Beidhändigkeit wäre krankhaft. Nachdem das Thema im Umgang mit Hochbegabten, Hochsensiblen und […]

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Beidhändigkeit und das Sattler’sche Gesetz … rechtshändig, linkshändig oder gestört?

(überarbeitet am 10.03.2020)

Nachdem Linkshändigkeit allmählich doch akzeptiert wird, werden nun Beidhänder diskriminiert wie ehedem die Linkshänder. Allgemein wird dabei auf eine Frau Dr. Sattler verwiesen, die sich zu der Ansicht verstiegen hat, Beidhändigkeit wäre krankhaft. Nachdem das Thema im Umgang mit Hochbegabten, Hochsensiblen und anderen neurodiversen Menschen mit gewisser Regelmäßigkeit auftaucht, widme ich mich dieser heiklen Materie mit einigen zielführenden Gedanken.

Beidhändigkeit und Realität

Meine Klienten sind vor allem Hochsensible, Hochbegabte, Asperger usw. In der Welt dieser »bunten Menschen« wimmelt es von Linkshändern und Formen der Händigkeit, die landläufig als »Beidhändigkeit« bezeichnet werden. Unverkennbar sind die »Experten« mit diesen Menschen jedoch schlicht überfordert. Eine typische Reaktion ist dann, dass diese sogenannten Experten solche Besonderheiten als krankhaft erklären. Psycho-Washing im weißen Kittel! Schluss mit Dr. Sattler und ihrer unhaltbaren Behauptung, Beidhändigkeit wäre eine Störung … Bühne frei für die Fakten!

Kritik am Hemisphären-Modell

Ein zentrales Konstrukt in den Theorien der Rechts- und Linkshändigkeit ist das Hemisphärenmodell. Schon Wikipedia weiß: »Das Hemisphärenmodell ist eine populärwissenschaftliche Adaptation neurowissenschaftlicher Befunde zur Lateralisation des Gehirns. Es erklärt vereinfacht die Funktionsweise des Gehirns, wird aber mittlerweile als überholt angesehen.« (Wikipedia, 2018) Entstanden ist das Hemisphären-Modell aus einer krankheitsorientierten Herangehensweise in der Erforschung des Gehirns.

Kurz zusammengefasst besagt das Hemisphärenmodell, dass die Reize in bestimmten Zentren verarbeitet würden und dann zu Output führen. Dabei würden die logischen Leistungen in der linken, die kreativen Leistungen in der rechten Großhirnhälfte erzeugt. Diese Vorstellungen sind maßgeblich geprägt von Beobachtungen an Patienten mit Hirnverletzungen bzw. nach Schlaganfällen. Obwohl die Vorstellung einer logisch-analytischen und einer kreativen Hirnhälfte oberflächlich betrachtet reizvoll klingen mag, ist sie dennoch falsch. Dies zeigt die neurologische Forschung der letzten Jahrzehnte eindeutig. Dieser Erkenntnisgewinn ist nicht zuletzt dem Anderssein von Aspergern, Synästheten, Hochbegabten usw. gedankt. Tatsächlich entstehen unsere Hirnleistungen durch ein netzwerkartiges Zusammenwirken von Hirnteilen.

Die Aktivitätsmuster des Gehirns in MRT-Scans zeigen dabei, dass bei der Planung von Bewegungen jeweils sowohl der rechte als auch linke Präfrontale Cortex aktiv sind. Dies ist unabhängig davon, ob eine Rechts- oder Linkshändigkeit vorliegt. Eine Aufgabenteilung der Hemisphären gibt es eher dahingehend, dass die linke Hemisphäre gefestigte (konsistente) Gedächtnisinhalte vorhält, während die rechte Hemisphäre die Verarbeitung situativer (inkonsistenter) Inhalte übernimmt.

Die linke Hemisphäre ist also unser »Selbstfahrmodus«, die rechte Hemisphäre übernimmt die »Steuerung von Hand«. Deshalb haben Menschen, die viel aus ihren Gewohnheiten heraus bewältigen, eine Linkshirndominanz. Menschen, die sich eher von der Situation leiten lassen, haben entsprechend eine ausgeglichene Hemisphärenaktivität. Das Gehirns ist also NICHT in eine linke »logische« und rechte »kreative« Hemisphäre geteilt.

Wie die Händigkeit entsteht

In einem Experiment haben Forscher der University of California, Berkeley festgestellt, dass eine Hemmung des Parietalen Cortex am Hinterkopf bei Rechtshändern zu einer reduzierten Rechtshändigkeit führt. Derartige Experimente gibt es inzwischen etliche. Sperrt man also die gewohnten »Nervenautobahnen«, so handeln auch die Rechtshänder linkshändig. Es werden also jeweils Versionen einer Handlung für rechts und links vom Gehirn zur Verfügung gestellt, von denen aber schließlich nur eine ausgeführt wird.

Das Defizit dieser Forschungen ist allerdings, dass in den Versuchen Handlungen ausgeführt werden, die auch eingeschworene Rechtshänder »mit links« schaffen. Sie sind also auch beiderseits in der motorischen Hirnrinde angelegt. Das heißt, dass man hieran eher verstehen kann, was passiert, wenn ein umgeschulter Linkshänder mit rechts schreibt und warum dies für ihn kräftezehrend ist.

Es erhellt aber die Struktur der Händigkeit nur insoweit, dass der Parietale Cortex an der Entscheidung über rechts oder links beteiligt ist. Letztlich sind bei einem Rechtshänder Spezial-Leistungen wie Schreiben aber vermutlich nur linksseitig im motorischen Cortex angelegt. Die Beschränkung komplexer Bewegungsabläufe auf eine Hand spart substanziell Hirnkapazitäten und fließt schließlich auch über eine stabile Nervenbahnung. Ob der Parietale Cortex dabei überhaupt beteiligt ist, bleibt also offen.

Händigkeit erhöht deshalb die Leistungsfähigkeit. Auch wird dadurch weniger ängstigende Unsicherheit erlebt. Die Entscheidung, welche Hand am Ende eine Bewegung ausführt, ist dabei nicht einer irgendwie gearteten Hemisphärendominanz geschuldet. Wie erklärt, entsteht die Hemisphärendominanz dadurch, dass bei konsistenter Händigkeit vorwiegend die »gefestigten« Muster abgerufen werden, wodurch die linke Hirnhälfte aktiver erscheint. Dies trifft jedoch auf konsistente Rechtshänder und Linkshänder gleichermaßen zu. Auch der konsistente Linkshänder hat also eine Linkshemisphärendominanz.

Weitaus besser fügen sich diese Befunde in dem Konzept von Christman und Prichard zu einem Bild. Sie schlagen vor, die Rechts-Links-Unterscheidung aufzugeben und von »konsistenter« = stabiler Händigkeit und »inkonsistenter« = flexibler Händigkeit zu sprechen. Sie führen aus, dass die Befunde keine Richtung (rechts, links) sondern ein Ausmaß der Lateralisierung unterstützen.

»A classification of humans into a near 50-50 split of inconsistent- versus consistent-handers is more consistent with behavioral, genetic, and evolutionary considerations than the traditional classification of 90 % right-handed and 10 % left-handed.« (Stephen D. Christman, Eric C. Prichard – Half Oaks, Half Willows: Degree, Not Direction, of Handedness Underlies Both Stable Prevalence in the Human Population and Species-Beneficial Variations in Cognitive Flexibility)

Eine Klassifizierung von Menschen in eine ca. 50-50-Teilung von inkonsistenten gegenüber konsistent Händigen stimmt besser überein mit verhaltensbezogenen, genetischen und evolutionären Überlegungen als die traditionelle Klassifizierung von 90 % Rechtshändern und 10 % Linkshändern (Übers. v. Verf. d. Beitr.).

Vorgeburtliche Beiträge – mehr geleckt ist mehr »geliked«

Die Entwicklung der Händigkeit beginnt bereits im Mutterleib. Welche Faktoren ihn in Gang setzen, ist noch unbekannt. Selbst bei eineiigen Zwillingen kommt jedoch eine unterschiedliche Händigkeit vor. Der Beitrag der Gene ist also gering. Wie schwach der genetische Einfluss ist, zeigt sich auch darin, dass nicht von der Führungshand auf den Führungsfuß geschlossen werden kann. Das heißt, ein Rechtshänder kann entweder einen linken oder einen rechten Führungsfuß haben. Wäre die Seitendominanz stark genetisch geprägt, müsste die Zuordnung weitgehend einheitlich sein.

Der Daumen, der im Mutterleib mehr gelutscht wird, zeigt die spätere Seitenorientierung an. S. Ocklenburg et al. haben einen Einfluss der Seitenorientierung des Körpers gefunden mit Auswirkungen auf den Wachstumsfaktor TGF-ß. Es könnte also sein, dass dadurch eine Hand motorisch ein wenig vor der anderen entwickelt ist. Weil dieser Daumen dann auch zuerst funktionstüchtig wird, wird er auch zuerst in den Mund gesteckt. Mehr geleckt ist dann auch mehr »geliked« und bei einer Veranlagung zur Konsistenz gibt es alsbald eine Lieblingshand. Durch den intensiveren Gebrauch wird diese dann auch besser neuronal vernetzt. Durch die Wechselwirkung von Lustgewinn, Training und Neuroplastizität erhält sie eine größere Repräsentation im Gehirn. Diese Lieblingshand wird also von Anfang an mehr gefördert und damit auch leistungsfähiger. Und offenbar mag man diese Hand dann sogar mehr.

Dieser »begabteren« Hand werden später natürlich auch die komplexen Aufgaben wie Musizieren, Malen und Schreiben übertragen. Da diese Entwcklung bereits im Mutterleib einsetzt, entsteht der Eindruck einer angeborenen Händigkeit. Tatsächlich ist womöglich nur die Neigung zur Konsistenz angeboren, der Rest ist vermutlich das Ergebnis der »Daumenlutsch-Frühförderung«.

Linkshändigkeit

Wie bereits berichtet, ist die Hemisphärendominanz gleichermaßen bei konsistenten Rechts- wie Linkshändern gegeben, da die Hemisphärendominanz eine Folge der Konsistenzorientierung ist und nicht der Händigkeit. Linkshändigkeit ist jedoch keine umgedrehte (inverse) Rechtshändigkeit.

Entlang von Studienergebnissen haben die meisten Linkshänder tatsächlich eine inkonsistente = flexible Händigkeit. Das heißt, dass hier beide Arme in den Genuss der »Daumenlutsch-Frühförderung« gekommen sind, weil genetisch eine Neigung zum situativen Handeln gegeben ist. Die Repräsentationen sind also beidseits im motorischen Cortex gefördert worden und zugleich ist der rechte präfrontale Cortex aktiver. Dadurch zeigen diese Menschen eine weitgehend ausgeglichene Aktivierung in den Hirnhälften.

Da aber die Optimierung komplexer motorischer Leistungen in hohem Maß Hirnkapazitäten beansprucht, werden komplexe Handlungsabläufe nachgeburtlich dennoch nur für eine Körperseite erlernt. So bildet sich allmählich auch bei inkonsistenter Händigkeit eine bevorzugte Seite heraus, die auch für neu zu erlernende Handlungsabläufe eingesetzt wird. Wer also links malt als Kind, wird dann auch links zu schreiben beginnen. Dadurch kann sich diese flexible Händigkeit sowohl rechts- als auch linksbetont entwickeln.

Da jedoch viele Studienautoren bereits die Linkshändigkeit als Abweichung auffassen, werden diese Unterschiede dann nur noch am Rande erwähnt. Typische Aussagen sind, dass Linkshänder weniger seitenbetont sind als Rechtshänder. Dies wird dann gern als Folge des Lebens in einer Rechtshänderwelt erklärt. Ja, auch bei geistigen Konzepten läuft vieles auf »Selbstfahrmodus«. Die eigene Weltsicht wird den Interpretationen und Konzepten unterlegt und mit den Forschungen »bewiesen«. Bekannt ist dies als »Rosenthal-Effekt«.

Inkonsistente = flexible Händigkeit

Bei der Recherche über Händigkeit bin ich über das Konzept von Christman und Prichard (siehe oben) gekommen, das wesentlich besser mit den tatsächlichen neurologischen Befunden in Übereinstimmung zu bringen ist als die Konzepte der Hemisphären-Theoretiker.

Von außen erkennbar ist bei inkonsistenter = flexibler Händigkeit, dass zahlreiche Handlungen beidseits gelingen. Die Seitenorientierung ist weitaus geringer. Unstrittig ist auch, dass diese Menschen eine andere Struktur des Großhirns haben ohne Dominanz einer Hirnhälfte. Dies ist jedoch dem Faktor der situativen Bewältigung und der Lust auf Neues (aktiverer rechter präfrontaler Cortex) geschuldet und nicht der Seiten-Orientierung. Es handelt sich zunächst um eine gleichsinnige Anlage dahingehend, dass linksseitig die gefestigten Muster repräsentiert sind und rechts die situativen Impulse verarbeitet werden. Die rechte Hemisphäre ist deutlich aktiver und zahlreiche Grundfunktionen werden schließlich auch beidseitig erlernt. Dadurch erscheinen sie auch im Motorischen Cortex auf beiden Seiten. Dies kann dann zu Konkurrenz-Situationen führen, in denen linke und rechte Hand »uneins« sind, wer nun die Führung übernimmt. Das bewirkt den vielzitierten »Knoten im Kopf« bei Linkshändern.

Beidhändigkeit, Kreuzhändigkeit

Verbleiben noch die Beidhänder, die selbst mit dem Ignorieren von Tatsachen in keine der Schablonen passen wollen und damit als »echte Beidhänder« in Erscheinung treten. Beidhänder sind ebenfalls flexible Händer und auch sie zeigen eine Bevorzugung. Diese ist jedoch nicht mehr rechts-links-bezogen, sondern aufgabenbezogen. Aufgabenbezogene Bevorzugung bedeutet, dass bestimmte Aufgaben der rechten Hand zugeordnet werden, andere der linken Hand (Crosshandedness).

Es handelt sich also um ein Händigkeitsmosaik, das jedoch in sich durchaus stabil ist. Daneben gibt es wohl auch Beidhänder, bei denen die Abläufe tatsächlich auf beiden Seiten annähernd gleichwertig repräsentiert sind. Krankhaft ist daran gar nichts. Es ist allenfalls kräftezehrend, weil jeweils zwei Versionen im Gehirn bereitgestellt werden und dann eine gehemmt werden muss.

Kreuzhändigkeit am persönlichen Beispiel

Bei mir selbst sind viele grobmotorische Leistungen zunächst der linken Hand zugeordnet: Nägel einschlagen, sägen, bohren, werfen, fangen, Pfannen schwenken usw. Bestimmte Tätigkeiten wie Schneiden oder Medikamente injizieren mache ich ebenfalls links, obwohl sie eher feinmotorischer Natur sind. Malen geschieht mit beiden Händen. Male ich ein Bild, so zeichnet die linke Hand die rechtsgebogenen Linien, die rechte Hand die linksgebogenen. Gefühlvolle Farbverläufe zu schraffieren ist Sache der linken Hand. Die rechte Hand verwende ich zum Schreiben und für andere feinmotorische Aufgaben. Ich kann natürlich auch links schreiben, jedoch bin ich hier auf dem Niveau eines Erstklässlers stehen geblieben durch die schulische Erziehung zum rechtshändigen Schreiben. Bei Ermüdung des linken Arms oder rechtsseitiger Arbeitssituation übernimmt die rechte Hand fast alle linksseitigen Aufgaben flüssig. Dabei wechseln jeweils Haltehand und Führungshand. Obwohl es also äußerlich ein wirres Bild ergeben mag, ist innerlich die Aufgabenverteilung durchaus klar.

Beidhändigkeit und Neurodiversität

Da solch eine komplexe Händigkeit eine hohe geistige Leistungsfähigkeit und Flexibilität voraussetzt, muss eine Beid- und Kreuzhändigkeit stets an eine Hochbegabung denken lassen. Geht man davon aus, dass nur gut 1 % der Menschen von Fachleuten als »echte Beidhänder« eingestuft werden in den Studien, so passt dies ausgezeichnet zu den Zahlen, die für Hochbegabung angenommen werden. Weiter wird Beidhändern »bescheinigt«, dass sie ein höheres Risiko für Lernstörungen, ADHS und psychische Erkrankungen haben. Nun, auch unerkannte Hochbegabte werden häufig in eben dieser Weise auffällig bzw. fehldiagnostiziert. Doch wie wird ein »Händigkeits-Experte« die Situation einschätzen, wenn das Kind nicht in sein Schema passen will? Schlimmer noch, wenn er von einem (hoch)begabten Beidhänder dann intellektuell in Frage gestellt wird?

Bedenken wir nun noch, dass Beidhänder auch noch meist bildhaft (spatial) denken. Dadurch werden sie leider auch unzureichend durch IQ-Tests erfasst und tun sich mit den vielen »logischen« Inhalten im modernen Alltag schwerer. Wie Anne Heintze in einem Blogartikel ausführt, wirken spatial Denkende dadurch weniger intelligent als sie sind. Und spätestens dann ist den Diskriminierungen durch die sogenannten Experten Tür und Tor geöffnet. So wird aus Unverstehen ein Herabwürdigen.

Was tun – Spiegelung ist wichtig

Beidhänder brauchen erfolgreiche Vorbilder, von denen sie lernen können, wie man mit dieser Besonderheit umgeht. Weil das Phänomen eben selten ist, hat man als Beidhänder im persönlichen Umfeld meist keine Menschen, an denen man sich orientieren kann. Man erlebt sich dann quasi als den einzigen seiner Art und »wie vom anderen Stern«.

Je mehr man anders ist, um so wichtiger ist es, sich klar darüber zu sein, inwiefern man anders ist. Sonst gerät man ins soziale Aus.

Beidhänder brauchen Menschen, die ihnen helfen zu be-greifen, wie man diese Flexibilität meistert. Und sie brauchen andere Betroffene, mit denen sie wenigstens zeitweise eine Normalität und ein Verstandenwerden erleben können. Nicht hilfreich sind neue Vorurteile. Auch die »Umschulung« auf eine vermeintliche Linkshändigkeit ist unsinnig. Hilfreich ist ein klares inneres JA zu dieser Besonderheit.

Flexible Händigkeit und Denkstil

… In addition, inconsistent- versus consistent-handedness is associated with more flexible versus rigid cognitive styles, respectively, … (Stephen D. Christman, Eric C. Prichard – Half Oaks, Half Willows: Degree, Not Direction, of Handedness Underlies Both Stable Prevalence in the Human Population and Species-Beneficial Variations in Cognitive Flexibility)

Darüber hinaus ist inkonsistente gegenüber konsistenter Händigkeit mit flexibleren versus starren Denkstilen verbunden. (Übers. v. Verf. d. Beitr.)

Die Welt spaltet sich nicht in rechts und links, sondern in konservative und flexible Geister; in Eichen und Weiden, wie Christman und Prichard es nennen. Es ist das Los der Weide, im Sturm zu zerbrechen. Der wasserschleppende Zauberbesen aus Goethes Zauberlehrling verkörpert das Wesen der Weide ganz besonders. Sich übers Wasser neigend wie wasserschöpfende Wesen, kann aus jedem Stück, in den feuchten Boden gesteckt, wiederum ein neuer Baum entstehen. Wen wundert’s, dass da die Eichen auch einstimmen in das Klagen …

Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte. (Goethe – Der Zauberlehrling)

Was ist hilfreich?

Nun, vielleicht sollte ich einfach noch mehr liegende Achten malen … das wird ja wärmstens empfohlen für den »Hemisphären-Ausgleich«, was immer das sein mag. Vielleicht habe ich sie nur mit der falschen Hand gemalt. Aber welche ist denn nun die »schöne Hand« … rechts, links, beide zugleich … ja wie denn nun? Oder gleich über Kreuz mit Händen und Füßen? Es gibt ja so viele Wege etwas zu tun, wenn man erst mal die geistigen Scheuklappen abgelegt hat. Beidhändigkeit ist nun mal der Gegenpol zur konsistenten Händigkeit und dies spiegelt sich auch im Welterleben wieder. Doch um so mehr muss man innerlich klar werden, welche Hand wann was tut.

Hilfreich hierzu sollten re-kreative Tätigkeiten sein, bei denen linke und rechte Hand »Hand in Hand« arbeiten und der flüssige Wechsel von Führungshand und Haltehand in einem komplexen Tun geübt wird. Denke an Tai Chi, Katas, Kampfsport, Malerei, Musizieren, Makramee, …

Eine Fortführung dieser Gedanken finden Sie in meinem Beitrag

Beidhändigkeit und Hirnentwicklung

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