Der Cheese-Effekt

 

Wenn Käse Bluthochdruck macht

– der Cheese-Effekt

Als Käseesser-Effekt (Cheese-Effekt) wird eine Wechselwirkung bezeichnet, die durch tyraminreiches Essen hervorgerufen wird, wenn gleichzeitig MAO-Hemmer eingenommen werden. Dabei gelangt Tyramin in den Körper, wo es das Noradrenalin erhöht (indirekter Noradrenalin-Agonist). Die sichtbarste Wirkung dessen ist eine Blutdruckerhöhung.

Tyramin ist besonders in Käse, Geräuchertem und Gepökeltem enthalten. Weiter sind Hefeextrakte und Fischmarinaden hoch tyraminhaltig. Auch überreife Avokados, Tomaten, Sauerkraut, Pilze und anderes bringen problematische Mengen dieses biogenen Amins mit sich.

Normalerweise wird das Tyramin bereits im Darm abgebaut durch die Monoaminooxidase A (MAOA) und die Diaminooxidase (DAO). Hemmen nun Medikamente diesen Abbau, so gelangen Tyramin und weitere biogene Amine in den Körper. Dadurch können bereits Mengen, die ansonsten folgenlos bleiben, zu Beschwerden führen. Ausführlicheres zum Thema Tyramin finden Sie im Beitrag Tyraminintoleranz.

Die Monoaminooxidasen (MAOA, MAOB) sind Enzyme mit zentraler Bedeutung für die Steuerung unserer Körperfunktionen. Sie bauen zahlreiche Neurotransmitter ab und ermöglichen so eine effektive Körperkommunikation. Deshalb kann man über die Hemmung dieser Enzyme auch auf Depressionen, M. Parkinson und anderes Einfluss nehmen.

Der Cheese-Effekt – eine Wechselwirkung

Der Cheese-Effekt wurde zunächst beschrieben als Nebenwirkung von MAO-Hemmern (MAOI). Nach dem Genuss von Käse traten Bluthochdruckkrisen auf als Wechselwirkung mit MAO-Hemmern. Neuere Wirkstoffe scheinen insgesamt weniger problematisch zu sein.

Allerdings können Substanzen wie Alkohol, Zigarettenrauch oder Koffein die Problematik wiederum verschärfen. So berichtet das Team um Niels van der Hoeven von einem Fall, in dem es unter Tranylcypromin zu einem Blutdruckanstieg kam in Verbindung mit Kaffeeabusus (10 – 12 Tassen täglich). Im geschilderten Fall gingen die Beschwerden zurück, nachdem der Patient stattdessen entkoffeinierten Kaffee trank.

Der Cheese-Effekt kann jedoch generell auftreten als Folge einer weitgehenden Hemmung der MAO. Dies betrifft auch andere Wirkstoffe. So haben z B. Isoniazid, Procarbazin und Linezolid diesen Nebeneffekt. Bestimmte Flavonoide – enthalten in Früchten und Heilpflanzen – sind milde MAO-Hemmer. Genutzt wird dies z. B. in Johanniskraut-Extrakten. Auch bei der Anwendung bestimmter Rauschdrogen wird eine MAO-Hemmung genutzt. Dazu gehören z. B. Ayahuasca oder auch Amphetamine. Wer also solche Substanzen einnimmt, möge sich der Wechselwirkungen bewusst sein.

MAO und Hochsensibilität / Hochbegabung

Noch nicht näher erforscht ist der Einfluss von MAO-Polymorphismen auf den Cheese-Effekt. Solche Polymorphismen sind der genetische Grund, warum Sie hochsensibel bzw. hochbegabt sind. Wenn Sie also zu diesen Personen gehören, dann sollten Sie besonders sensibel für diese Zusammenhänge sein. Gehen Sie der Frage nach, ob Sie eine Schwäche der Monoaminooxidase A haben.

Der erste Schritt hierbei ist, dass Sie sich Ihre Reaktionen auf biogene Amine allgemein anschauen. Entwerfen Sie eine individuelle Übersicht über die Nahrungsmittel, die Reaktionen bewirken. Entlang solch einer Mindmap können Sie dann abschätzen, welche biogenen Amine betroffen sind und Rückschlüsse ziehen, welche Enzyme geschwächt sind. Vermutlich werden Sie dazu jedoch fachliche Hilfe brauchen. Die biogenen Amine und die abbauenden Enzyme formen doch ein komplexes System, gleich einem großen Mobile.

(Ich trage mich mit der Idee, für solche Funktionen eine App-Lösung zu erarbeiten. Wenn Sie über einschlägige Kompetenzen verfügen, freue ich mich über Ihre Kontaktaufnahme.)